Digitale Speisekarte einrichten: Von der Papierkarte zum Display in 6 Schritten
Die Entscheidung ist gefallen, das Display hängt — und dann steht die Frage im Raum, was eigentlich darauf soll. Diese Anleitung beschreibt den Weg, den wir mit jedem Gastrokunden gehen: sechs Schritte von der Bestandsaufnahme bis zum laufenden Betrieb, mit den Fehlern, die uns dabei immer wieder begegnen.

Die meisten Betriebe unterschätzen einen Punkt: Eine digitale Karte ist keine abfotografierte Papierkarte. Papier wird aus dreißig Zentimetern gelesen, im Sitzen, mit Zeit. Ein Display wird aus drei Metern gelesen, im Stehen, während hinter einem die Schlange wächst. Das sind zwei verschiedene Medien, und die Übertragung eins zu eins funktioniert nicht.
Wer diesen Unterschied ernst nimmt, hat den größten Teil der Arbeit schon getan. Der Rest ist Handwerk.
Schritt 1: Bestandsaufnahme im Raum
Bevor eine Zeile Layout entsteht, wird gemessen. Drei Werte entscheiden über alles Weitere:
- Blickabstand. Wo steht der Gast, wenn er liest? An der Theke sind das meist zweieinhalb bis vier Meter. Aus diesem Wert ergibt sich die Mindestschriftgröße — als Richtwert gilt: Großbuchstabenhöhe mindestens ein Fünfhundertstel des Abstands. Bei drei Metern sind das gut sechs Millimeter auf dem Display, also je nach Diagonale 28 bis 36 Pixel.
- Lesezeit. Wie lange steht jemand tatsächlich davor? In einem Schnellrestaurant sind es zwanzig bis vierzig Sekunden, im Café mit Sitzbetrieb deutlich mehr. Kurze Lesezeit bedeutet: weniger Positionen, größere Schrift, keine Animation im Textbereich.
- Lichtsituation. Fällt Tageslicht seitlich ein, spiegelt sich die Fensterfront im Panel? Das entscheidet über Helligkeit und darüber, ob helle oder dunkle Layouts besser funktionieren.
Aus diesen drei Werten fällt auch die Entscheidung über Anzahl und Format der Displayflächen. Als Faustregel: Bis etwa zwölf Positionen reicht ein 55-Zoll-Display im Querformat. Darüber wird es schneller unruhig, als die meisten erwarten — dann sind zwei oder drei Displayflächen nebeneinander die ruhigere Lösung.
Schritt 2: Die Karte kürzen
Das ist der unbequemste Schritt, und der mit der größten Wirkung. Eine Papierkarte kann vierzig Positionen tragen, weil der Gast blättern und zurückspringen kann. Ein Display kann das nicht — was oben steht, ist weg, sobald es scrollt oder wechselt.
Wir empfehlen, in drei Kategorien zu sortieren:
- Trägt den Umsatz. Die Positionen, die tatsächlich verkauft werden. Bei den meisten Betrieben sind das erstaunlich wenige — oft machen acht bis zwölf Gerichte achtzig Prozent des Umsatzes aus. Diese gehören auf die Hauptfläche.
- Ergänzt sinnvoll. Beilagen, Getränke, Nachtisch. Diese können auf eine zweite Displayfläche oder in einen zeitlich versetzten Durchlauf.
- Steht aus Gewohnheit da. Positionen, die kaum jemand bestellt. Sie gehören auf die gedruckte Karte am Tisch, nicht auf das Display.
Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist, alles zeigen zu wollen. Eine Displayfläche mit zwölf gut lesbaren Positionen verkauft mehr als eine mit vierzig, die niemand entziffert.
Bei einer Berliner Filialkette haben wir die Tresenkarte von 34 auf 14 Positionen reduziert. Der Betreiber war skeptisch, weil er Umsatzverluste bei den gestrichenen Gerichten erwartete. Tatsächlich verschob sich der Absatz auf die verbliebenen Positionen — bei höherem Durchschnittsbon, weil die margenstarken Gerichte nun sichtbar waren statt in der Liste unterzugehen.
Schritt 3: Struktur statt Fließtext
Auf Papier funktionieren Beschreibungen: „Hausgemachte Pasta mit sonnengereiften Tomaten, Basilikum aus eigenem Anbau und gehobeltem Parmesan." Auf einem Display aus drei Metern liest das niemand.
Was stattdessen funktioniert, ist eine klare Hierarchie in drei Ebenen:
- Name des Gerichts — groß, fett, sofort erfassbar
- Ein bis drei Schlagworte — die wichtigsten Zutaten oder Kennzeichnungen, kleiner gesetzt
- Preis — in einer eigenen Spalte, rechtsbündig, gleiche Größe wie der Name
Preise gehören in eine Spalte, nicht direkt hinter den Namen. Der Grund ist Lesegeschwindigkeit: Wer den Preis sucht, findet ihn in einer Spalte mit einem Blick nach unten. Hinter unterschiedlich langen Gerichtnamen muss er ihn jedes Mal neu suchen.
Zur Farbe: Dunkle Layouts mit hellem Text wirken im Gastraum hochwertiger und blenden abends nicht. Helle Layouts brauchen mehr Displayhelligkeit und wirken schnell nach Werbetafel. Ausnahme sind Betriebe mit sehr hellem, weißem Interieur — dort kann eine helle Karte stimmiger sein.
Schritt 4: Zeitsteuerung einrichten
Hier liegt der eigentliche Gewinn gegenüber Papier, und er wird am häufigsten liegen gelassen. Eine digitale Karte kann sich der Tageszeit anpassen — und muss das nicht manuell.
Typischer Aufbau in der Gastronomie:
- Bis 10:30 Uhr — Frühstück, Kaffeespezialitäten, To-go-Angebote
- 10:30 bis 14:30 Uhr — Mittagskarte, Tagesgericht, Mittagsangebot
- 14:30 bis 17:00 Uhr — Kuchen, Kaffee, kleine Karte
- Ab 17:00 Uhr — Abendkarte, Getränke, Aktionen
Das wird einmal eingerichtet und läuft dann ohne Zutun. Wichtig ist ein Detail, das oft vergessen wird: Der Wechsel sollte nicht schlagartig zur vollen Stunde passieren, während jemand gerade liest. Ein Übergang von zwei bis drei Sekunden mit weicher Blende wirkt ruhiger und irritiert nicht.
Für minutengenaue Steuerung braucht es in unserem Fall SCRN Premium; SCRN Basic schaltet tagesgenau. Wer nur zwischen Werktag und Wochenende unterscheidet, kommt mit Basic aus — wer den Tag durchtaktet, braucht Premium.
Schritt 5: Wer pflegt was
Der Punkt, an dem digitale Karten scheitern, ist selten die Technik. Es ist die Zuständigkeit. Wenn niemand benannt ist, bleibt die Karte, wie sie am Einrichtungstag war — und nach sechs Monaten stimmen die Preise nicht mehr.
Was sich bewährt hat:
- Eine Person pro Standort mit Zugang und der ausdrücklichen Zuständigkeit. Nicht „das Team", sondern ein Name.
- Eine Vertretung, die den Zugang ebenfalls hat und einmal geübt hat.
- Ein fester Termin — etwa montags vor der Öffnung — an dem Preise und Verfügbarkeiten durchgesehen werden.
Die Einweisung dauert bei uns rund zwanzig Minuten. Wer eine Datei in einen Ordner ziehen kann, kann die Karte ändern. Entscheidend ist nicht die Schulung, sondern dass jemand sich zuständig fühlt.
Schritt 6: Nach zwei Wochen nachschärfen
Kein Layout sitzt beim ersten Versuch. Nach zwei Wochen im Betrieb sieht man Dinge, die vorher niemand ahnen konnte: dass die dritte Zeile von unten nie gelesen wird, weil dort ein Kühlschrank die Sicht nimmt. Dass das Tagesgericht zu klein steht. Dass die Karte nachmittags zu lange läuft.
Wir planen diesen Termin bewusst ein. Drei Fragen reichen:
- Welche Position wird häufiger bestellt als vorher, welche seltener?
- Fragen Gäste nach etwas, das auf der Karte steht, aber offenbar nicht gefunden wird?
- Gibt es eine Tageszeit, zu der die falsche Karte läuft?
Die Antworten führen fast immer zu kleinen Korrekturen — eine Schriftgröße, eine Reihenfolge, ein Umschaltzeitpunkt. Danach steht die Karte in der Regel für Monate.
Zu viele Positionen. Der Klassiker. Die Papierkarte wird eins zu eins übernommen und ist aus drei Metern unlesbar.
Zu viel Bewegung. Animierte Übergänge zwischen einzelnen Gerichten wirken auf dem Monitor gut und im Raum unruhig. Bewegung gehört an den Rand, nicht in den Text.
Bilder ohne Qualität. Ein schlecht ausgeleuchtetes Handyfoto wirkt auf 55 Zoll deutlich schlechter als kein Bild. Im Zweifel typografisch arbeiten.
Niemand ist zuständig. Sechs Monate später stimmen die Preise nicht — der häufigste Grund, warum digitale Karten an Wirkung verlieren.
Was das zeitlich bedeutet
Von der ersten Nachricht bis zur laufenden Karte rechnen wir bei einem Standardaufbau mit ein bis zwei Wochen. Der Löwenanteil liegt nicht bei uns, sondern bei Schritt 2 — dem Kürzen der Karte. Betriebe, die vorbereitet in das Gespräch kommen und wissen, welche Gerichte den Umsatz tragen, sind deutlich schneller fertig.
Wenn du magst, schick uns deine aktuelle Karte und ein Foto vom Tresen. Dann sagen wir dir, welches Format passt, wie viele Positionen darauf sinnvoll sind und was es kostet.
Erzähl uns von deinem Raum.
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